Der Terrassengarten
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An einem Spätsommertage 1740
fuhr Friedrich I. von Straßburg nach
Schloß Moyland bei Kleve, um sich
dort mit Voltaire zu treffen.
Als er den Kamper Terrassengarten passierte,
entwarf er - noch in
der Kutsche sitzend - den Plan von Sanssouci ...

Auch wenn solches manchmal
im barocken Terassengarten zu hören ist,
ist der junge "Alte
Fritz", der von 1740 bis 1786 preußischer König war,
nie in Kamp
gewesen. Doch ein Garten lebt von Legenden, auch wenn die
wirkliche
Geschichte der von 1987 bis 1990 wiedererrichteten Anlage
spannender ist.
Die Satzungen des Zisterzienserordens schrieben vor,
daß jedes Kloster
einen Weinberg besitzen mußte. So hatte Kamp
ein Weingut in Moselweiß
bei Koblenz erworben. Wahrscheinlich legten
die Kamper Mönche einen
Weinberg im Süden der Abteikirche an,
nachdem sie das Gut Moselweiß 1355
wegen finanzieller Schwierigkeiten
verkauft hatten. Die Chronik von 1483
berichtet mehrfach über diesen
Kamper Wein, der der Legende nach mit
süffigen Reizen gegeizt
haben soll: "Der Kamper Wein bereitet am
Tisch nur Pein"
(Vinum Campens non facit gaudia mense).
Im 16. und 17. Jahrhundert,
als zunächst nur wenige und dann gar
keine Mönche mehr in Kamp weilten,
zerfiel der Weinberg.
Abt Edmund Richterich, der von 1695 bis 1705
regierte, ließ
1699/1700 im ehemaligen Weinberg den "Neuen
Garten" mit
künstlichen Terrassen erbauen, den wohl
Franciscus
Daniels (1733 - 1749) in den 1740er Jahren "barockisierte".
Die
Orangerien wurden gebaut, in denen im Winter die
200 exotischen Pflanzen
untergebracht waren, die im
Sommer auf den Wegen standen. Und die
verschönerte Treppe
erhielt auf ihren Podesten Skulpturen. Die Beete
waren mit
Gemüse, Salat und Kräutern bepflanzt. Auf den Terrassenstufen
und der Parterre wuchsen Obstbäume. Den normalen Mönchen
war der Zugang
zu den Terrassen grundsätzlich untersagt.
Denn der prachtliebende Abt
Daniels wollte sich ungestört
mit seinen Gästen unterhalten können,
ohne daß ihm ein
Konventuale zuhörte. Für die "normalen"
Mönche stand ja der
"Alte Garten" zur Verfügung der
nordöstlich der Abteikirche lag.
(Der Garten, der nicht wiederaufgebaut
wurde, befand
sich zwischen der heutigen Stern- und Mittelstraße).
Nachdem das Kloster 1802
aufgehoben worden war, wurde der
Garten wie die gesamte Konventanlage
unter den sechs Käufern
aufgeteilt. Die Orangerien wurden abgerissen, die
Skulpturen verkauft.
Im Laufe des 19. Jahrhundert erwarb das Hotel Bieger
den größten Teil
des Terrassengartens, um dort Gemüse und Obst
anzupflanzen.
Als nach dem Zweiten Weltkrieg diese Nutzung aufgegeben
wurde,
zerfiel der Garten und geriet in Vergessenheit.
Die ersten Gedanken der
Wiederherstellung des Barockgartens
gehen auf das Jahr 1961 zurück. Doch
die Worte der
Landeskonservatorin verhallten ohne Echo. Eineinhalb Jahre
später schnitt die neu gebaute Bundesstraße, die den Garten
für den
automobilen Verkehr ins volle Blickfeld" rückte, einen Teil
der
ursprünglichen Anlage ab. Die Rekonstruktion des Gartens
begann aber erst
1987: Vorbild waren der Kupferstich von
Querfurth und Creite von 1747 und
Sanssouci in Potsdam.
Im September 1990 wurde der
Garten mit seinen "gestutzten Trieben",
den die Stadt
unterhält, mit einem Feuerwerk eröffnet.
Die Terrassen wandelten sich
zum beliebten Ausflugsziel:
Denn anders als vor 250 Jahren darf heute
jeder die
Anlage betreten, um die barocke Pracht zu genießen.
Stand: August 2000